Art Care

Das Jahr 2025 war insgesamt geprägt von der Implementierung der neuen Organisationsstruktur, die einige Veränderungen auch für den Bereich der Sammlung bedeutet. Auch für die Teams Restaurierung, Ausstellungsbau und Art Handling führte die Organisationsentwicklung zu einer grossen Neuerung: Ab 1. Januar 2025 sind diese Teams gemeinsam in der Abteilung «Art Care» für die technischen und konservatorisch-restauratorischen Aspekte von Erhaltung / Lagerung, Sicherheit /Handling und Präsentation / Leihwesen von Kunst zuständig. Die Teams Art Handling (Fokus auf Sammlungspräsentation und Sammlungsprojekte) und Ausstellungsbau (Fokus auf temporäre Ausstellungen und Kunstprojekte)wurden zusammengefügt unter Kunsthandling. Eine wichtige Massnahme war die Verbesserung der Zusammenarbeit durch die Vereinheitlichung verschiedener Planungstools und Kalender. Auch eine transparente Kommunikationsplattform musste gefunden werden, um das nun auf knapp 20 Mitarbeitende gewachsene Team gut miteinander zu vernetzen.

Bau und Instandhaltung der zahlreichen Kunstprojekte in den Ausstellungsräumen waren von einer neuen Synergie geprägt, die bei einer Vielzahl an Herausforderungen von grossem Nutzen war: Die Sonderausstellungen «Marina Abramović», «Roman Signer», «Monster Chetwynd», «Wolfgang Laib» oder auch «Lygia Clark» erforderten durch ihre interaktiven Elemente, begehbaren Kunstwerke und vergänglichen Materialien regelmässige Einsätze der Art Care-Teams, um die Sicherheit der Kunstwerke und Besuchenden sowie die Erfahrbarkeit der Ausstellung zu garantieren. Aufgaben wie die Reparatur der sensorischen Objekte bei Clark, regelmässige Kontrollen und Festigungsmassnahmen der Installationen bei Abramović, die Stabilisierung der Papp- und Papierarbeiten und der kinetischen Objekte bei Chetwynd und die intensive Pflege und Erneuerung der Wachs-, Reis- und Pollenwerke bei Laib mussten neben neuen Projekten und der Alltagsarbeit Platz finden. Es wurde deswegen ein umfassender Galeriepflege- und Instandhaltungsplan erstellt.

Ebenso hält das Foyer Haefner mit der farbenfrohen Installation von Jeffrey Gibson das Team stetig auf Trab und hilft so mit, der Verquickung von Kunstmuseum, öffentlichem Raum und begehrter Eventlocation gerecht zu werden. Auch bei grossen Werken, die als Leihgaben an andere Museen reisen – so geschehen z. B. mit Georg Baselitz' «Nachtessen in Dresden» nach Oslo, das mit einem Portalkran über die drei Stockwerke des Müller-Baus gehoben werden musste –, haben die kurzen Wege in der neu geschaffenen Abteilung einen reibungslosen Ablauf in diesen dichten Zeiten ermöglicht.

Kunsthandling

Die Teams Art Handling und Ausstellungsbau agieren abseits der Öffentlichkeit, quasi unsichtbar für diese, und sie werden auf vielfältige Weise gebraucht: beim Bau der Architektur für eine neue Ausstellung, bei der Installation von Ersatzwerken anstelle reisender Leihgaben, bei der Bereitstellung von Werken für wissenschaftliche Begutachtungen oder bei der Bewirtschaftung der Depots und Lager, um nur einige wenige zu nennen. Das Kunsthandling ist im dynamischen Gefüge des Museums also Ansprechpartner für fast alle Abteilungen: Ohne die Mitarbeitenden des Kunsthandlings geht es nicht.

Durch die zahlreichen Kunstprojekte, die nicht nur in den klassischen Ausstellungssälen stattfinden, sondern auch vermehrt in den Sammlungsräumen, werden immer wieder Sammlungsbereiche umgestaltet. So auch für die Ausstellung «Wolfgang Laib» im 1. OG Müller-Bau, die kleine, aber feine Alice Bailly-Ausstellung mit Werken aus Lausanne in den Moser-Räumen von Vallotton, oder die Ausstellung «ReCollect! Wu Tsang» in der Rotunde des Moser-Baus. Dies bedingt die sichere und organisierte Verschiebung von Kunst an andere Orte des Museums mit Bilderwagen, Transportkisten oder Rolltischen – eine verantwortungsvolle Arbeit, die Fingerspitzengefühl und Kunstverständnis erfordert. Dank der professionellen Arbeit des Kunsthandlings im Zusammenspiel mit dem Team Restaurierung sind diese spannenden Gegenüberstellungen und neuen Sichtweisen auf bereits Bekanntes mehrfach im Jahr möglich.

Restaurierung

Der Leihverkehr und die vielfältigen Ausstellungen inhouse und extern nahmen auch in diesem Jahr einenGrossteil der Zeit in Anspruch. So wurden 251 Leihanfragen für externe Ausstellungen bearbeitet, insgesamt reisten 135 Werke an 54 Ausstellungen. Das ist ein Drittel mehr als im Jahr 2024. 61-mal wurden Werke begleitet. Kollaborationen mit anderen Schweizer Museen für Kurierbegleitung u. a. nach Japan und Amerika halfen, die Zahl der Reisen zu reduzieren und sollen im kommenden Jahr verstärkt genutzt werden.

Der Erhaltungszustand weiterer 578 Werke wurde für die Ausstellungen und Sammlungspräsentationen kontrolliert und 175 konservatorisch oder restauratorisch bearbeitet. Umso dankbarer waren wir für die Unterstützung zweier Studentinnen über mehrere Monate. Die Medienrestaurierung arbeitete mit Hilfe einer Praktikantin an einem Projekt zur Erfassung von werkzugehörigen Geräten in der Sammlung. Die Gemälderestaurierung wurde bei der Behebung eines Schadens an einem Werk von Max Bruninger und im Restaurierungsalltag unterstützt.

Gemeinsam mit der Provenienzabteilung wurden wieder mehrere skulpturale Werke und Gemälde näher beleuchtet. Diese Zusammenarbeit wird sich über die nächsten Jahre weiter verstärken und bietet auch den Teams der Restaurierung immer wieder die Möglichkeit, ein tieferes technisches Verständnis für Werke der Sammlung zu erarbeiten.

Auch dieses Jahr war von regem Fachaustausch im Bereich Medienkunsterhaltung mit verschiedenen Institutionen wie dem RED, dem FMAC in Genf und dem Kunstmuseum Basel, aber auch dem van Gogh Museum oder der Fondation Beyeler und dem MASI in Lugano im Bereich Gemälderestaurierung geprägt.

Gemälde

Ein mehrmonatiges Sponsorenprojekt ermöglichte 2025 den Abschluss der langersehnten Restaurierung des Gemäldes «Bodmer und Füssli vor der Büste Homers» von Heinrich Füssli, bei dem sich alternde Firnisüberzüge über die Jahrzehnte immer stärker eingetrübt hatten. Statt einer zunächst geplanten Firnisabnahme erwies sich im Projektverlauf eine Firnisregenerierung als beste und schonendste Methode, Sättigung, Glanz und Lesbarkeit des Gemäldes wiederherzustellen.

Das interdisziplinäre Untersuchungsprojekt zur ehemals Tizian zugeschriebenen Abendlandschaft konnte in diesem Jahr abgeschlossen werden. Eine Dokumentation der Ergebnisse soll Ende 2026 gezeigt werden.

Der am Werk «Franz und Luciano» 2024 für die Ausstellung im Louisiana Museum in Humlebæk rückseitig angebrachte Schwingschutz erwies sich 2025 als äusserst nützlich, denn er konnte Schlimmeres verhindern, als ein Besucher im Louisiana Museum ins Bild stolperte. Die dadurch verursachten Bereibungen erwiesen sich glücklicherweise als gut restaurierbar, so dass keine bleibenden Schäden mehr erkennbar sind.

Skulptur und Plastik

Das Jahr 2025 stand für den Bereich Skulptur / Plastik vor allem im Zeichen grosser Objektbewegungen, Ausstellungen und Leihverkehr. Vorgängig zur Wolfgang Laib-Ausstellung «Berührung des Essenziellen» musste die Giacometti-Dauerpräsentation abgebaut und zwischengelagert werden. Der Unterhalt und die Pflege der Aussenskulpturen erforderte kleine konservatorische und restauratorische Massnahmen, wie die Graffitientfernung an «Sine Wave / Zig-Zag» von Dan Graham und am Mast von Pipilottis «Tastenden Lichter II» sowie der partielle Auftrag eines Schutzwachses an Rodins «Höllentor». Diese kleinen Massnahmen sind nicht zu unterschätzen, denn sie helfen, die Werke vor weiterem Vandalismus zu bewahren, oder wie im Fall des Höllentors, den korrosiven Elementen der Luft, die ein solcher Standort mit sich bringt, nicht zum Opfer zu fallen. Rebecca Horns Installation «The Warriors» war bis in den April im ehemaligen Seerosen-Saal im Moser-Bau zu sehen. Die Dauerpräsentation erwies sich als zu belastend für das Werk und musste daher zwischenzeitlich für kleinere Wartungsarbeiten geschlossen werden, um später mit reduzierter Laufzeit wieder präsentiert werden zu können. Wir nutzten diese Zeit, um mit dem Techniker der verstorbenen Künstlerin offene Fragen zur Entstehung und Technik des Werkes zu klären.

Medienkunst und Installationen

Um synergetisch und ressourcenschonend zu arbeiten, verknüpfen wir unsere sammlungsbezogenen Arbeiten nach Möglichkeit mit den laufenden Ausstellungsprojekten. Der anspruchsvolle Aufbau von Refik Anadols immersivem Werk «Glacier Dreams» diente beispielsweise als Anregung für die Entwicklung einer internen Vorlage zur Erstellung von Manuals und Installationsanleitungen, während die Roman Signer-Ausstellung die Gelegenheit bot, die Werke des Künstlers in der Sammlung genauer unter die Lupe zu nehmen und die analogen Videobänder zu digitalisieren. Viele Aufgaben der Sammlungspflege strecken sich hingegen über Jahre hinweg und erfordern eine geduldige und sorgfältige Vorausplanung. Im Sommer konnte im Rahmen eines Sonderprojekts und mit Hilfe einer Praktikantin an der Erfassung von werkzugehörigen Geräten von 19 Werken in der Sammlung gearbeitet werden, ungefähr die Hälfte aller Werke, die Geräte beinhalten. Dabei wurden Datensätze erstellt oder ergänzt, sowie technische Bestandteile fotografiert, etikettiert und verstandortet. Restauratorische Massnahmen wurden nach Dringlichkeit priorisiert geplant. Es ist nun bekannt, dass solche bei fünf Werken so bald wie möglich umgesetzt werden müssen, um den Erhalt der Geräte garantieren zu können.

Kunstwerke auf Papier und Fotografie

Fast alle Ausstellungen im 2025 zeigten eine grosse Menge an grafischen Werken: Suzanne Duchamp, Lehmbruck/Netzhammer, Lygia Clark oder Wolfgang Laib und natürlich «Druck gemacht!» mit fast 100 eigenen grafischen Werken. Dementsprechend war die Grafikrestaurierung auch in allen Auf- und Abbauphasen involviert.

Für die Ausstellung «Druck gemacht» wurde eine grosse Anzahl der Druckgrafiken von nicht beständigen also problematischen Materialien abgelöst, restauriert und in Sammlungspassepartouts montiert. Ähnliche Arbeiten wurden für die Präsentation von Kandinskys Mappenwerk durchgeführt. Dies war möglich, da die Abteilung für die derzeit unbesetzte zweite Restauratorenstelle im Bereich Grafik / Fotografie professionelle Unterstützung an zwei Tagen pro Woche von April bis Dezember erhalten konnte. Diese Arbeit musste auch für zahlreiche Werke, die an externe Ausstellungen reisten, wie die Picasso-Ausstellungen an der ETH Zürich oder in Mendrisio, durchgeführt werden. Solche ausstellungsvorbereitenden Eingriffe sind zugleich wichtige bestandserhaltende Massnahmen und daher relevante Schritte bei der Instandhaltung dieser riesigen Sammlung. Für die Ausstellung «Wolfgang Laib» wurden Rahmenkonzepte mit dem Künstler für grossformatige Zeichnungen erarbeitet und später montiert. Aufgrund der Fragilität der Werke auf Papier müssen diese nach drei Monaten wieder ins Dunkle gebracht werden. Dies bedeutet, dass die Papierwerke bei Sammlungspräsentationen im Dada-Kabinett und in Ausstellungen wie «ReCollect! Yto Barrada», die eine längere Laufzeit haben, nach jeweils drei Monaten ausgewechselt werden müssen.

Kerstin Mürer, Leiterin Art Care



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