Systematische Erforschung und Vermittlung der Sammlung
Ausgehend von der Provenienzstrategie konnten im Berichtsjahr rund 80 Werke des Bestandes untersucht werden. Dabei wurden rund 40 Basisrecherchen, sogenannte Erstchecks für Neuzugänge und Leihanfragen an externe Ausstellungen, ausgeführt und 40 Tiefenrecherchen, u. a. im Rahmen des vom Kanton Zürich unterstützten Forschungsprojekts «Tiefenrecherchen zu ausgewählten Provenienzen der Erwerbungen der Sammlung Gemälde und Skulpturen 1933–1945», vorgenommen. Für vier weitere Werke und Werkkonvolute wurden ausführliche Tiefenrecherchen begonnen, deren Abschluss in einem Forschungsbericht mündet, der für die Beratung im Provenienzausschuss und die fallspezifische Beurteilung durch den Vorstand der Zürcher Kunstgesellschaft dient. Ein solcher Fall konnte zudem im Berichtsjahr abgeschlossen werden, indem das Werk «L'Homme à l'ombrelle» von Claude Monet, für welches im Jahr 2024 eine faire und gerechte Lösung mit den Erben des jüdischen Kunstsammlers Carl Sachs gefunden wurde, veräussert werden konnte.
Von den rund 1400 Werken, die für die Provenienzforschung im Hinblick auf den NS-Kunstraub von den gesamten rund 4100 Gemälden und Skulpturen im Bestand zu untersuchen sind, konnten im Berichtsjahr weitere 70 Werke der Kategorie Grün oder Gelb-Grün zugeordnet werden, da nach aktuellem Forschungsstand keine Hinweise auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug bestehen. Damit verbleiben Ende 2025 noch rund 300 Gemälde und Skulpturen zu erforschen. Davon ausgenommen sind die Arbeiten auf Papier, zu denen aktuell aufgrund einer nur teilweisen digitalen Erschliessung noch keine detaillierten provenienzspezifischen Daten vorliegen.
Sichtbarkeit der Forschung
Die Sammlung Online umfasst aktuell rund 4700 Werke. Erstmals verfügen nun mit 2600 Werken mehr als die Hälfte über einen publizierten Provenienzeintrag (Ende 2024: 2200). Die Sichtbarkeit der Forschungsergebnisse ist auch dadurch erhöht worden, dass ein Grossteil dieser Werke nun auch über Literatur- und Quellennachweise zu den Provenienzangaben verfügt. Bei 88 tiefenerforschten Werken findet sich auch eine hochaufgelöste Reproduktion der Werkrückseite sowie ein Provenienztext, der die Forschungsergebnisse in Deutsch und Englisch nachvollziehbar erläutert. In den Sammlungsräumen im Museum sind rund 40 Werke davon auch mit einem spezifischen Schild versehen.
Team Provenienzforschung und Expertenkommission
Die alltägliche Arbeit des Teams Provenienzforschung umfasst nebst den Recherchen und deren Publikation auch die Bearbeitung zahlreicher externer Anfragen zu den Sammlungsbeständen und zu Dauerleihgaben, die Teilnahme an nationalen und internationalen Tagungen sowie das Anbieten von Führungen und Seminaren für ein breites Publikum sowie für das Fachpublikum.
Im Berichtsjahr hat der ZKG-Vorstand eine unabhängige Expertenkommission (Beirat Provenienzforschung) eingesetzt, die den Provenienzausschuss in fachlichen Fragen unterstützt und dem Vorstand bei deren Beurteilung und Entscheidungsfindung beratend zur Seite steht. Der Beirat nimmt seine Arbeit 2026 auf.
Forschungsprojekt Dauerleihgabe Sammlung Bührle
Für das geplante Forschungsprojekt zu den Provenienzen der Werke der Sammlung Emil Bührle konnte im Berichtsjahr ein umfangreiches Vorprojekt umgesetzt werden. Dieses umfasste die kritische Überprüfung der bisherigen Forschungsergebnisse der Stiftung Sammlung E. G. Bührle sowie des Berichts vom Team von Prof. Raphael Gross. Das Vorprojekt zeigte einerseits auf, dass eine grosse Zahl der Ergebnisse der bisherigen Provenienzforschung auf den neuesten Forschungsstand aktualisiert werden muss, und andererseits, dass ein Forschungsbedarf sowohl zu Werken besteht, bei denen ein Handwechsel zwischen 1933 und 1945 mit auffälligen Begleitumständen vorliegt, als auch zu Grundlagenforschung zu den Verfolgungsschicksalen früherer Eigentümerinnen und Eigentümer besteht. Basierend auf dem Vorprojekt hat das Kunsthaus bei der Stadt Zürich einen Antrag auf Finanzierung gestellt, der am 4. Februar 2026 vom Gemeinderat gutgeheissen wurde.
